Die Marler Zeitung über "Acis" :

 

Gymnasium im Loekamp inszeniert einen "sagen"-haften Opernabend

Vollbesetztes Theater / Originelles Bühnenbild / Phantasievolle Kostümierung

MARL. Im bis zum Bersten gefüllten Marler Theater fanden am Donnerstag und Samstag vor begeistertem Publikum die Aufführungen der Händel-Oper "Acis und Galatea" statt. Damit bewies die "Oper am GiL" wieder einmal, daß sie ein Garant für außergewöhnliche und gute Darbietungen ist.

Eingestimmt wurden die gespannten Zuhörer schon durch die Ouvertüre, die von einem gut aufeinander eingespielten Orchester vorgetragen wurde. Im weiteren Verlauf zeichnete sich besonders Susanne Poorthuis mit ihrer Sopranino-Blockflöte aus, die die Solopartien bei zwei Arien glänzend bewältigte. Mit dem Öffnen des Vorhanges ging ein Raunen durch das Publikum: die Künstlergruppe des GiL hatte unter der Leitung der erfindungsreichen Abiturientin Susanne Schneider mit wenigen Mitteln und unter großem Zeitaufwand ein originelles Bühnenbild erstellt. Auch hinsichtlich der Kostümierung setzte sich dieser Eindruck bei dem Auftritt von Naturwesen und Hirtenchor fort.

Die weibliche Hauptrolle der Nymphe Galatea spielte Melanie Frenzel, die vor allen Dingen durch ihre stimmlichen Qualitäten überzeugte. Obwohl das Schauspielerische hohe Anforderungen an sie stellte, bewältigte sie auch diese Schwierigkeiten. Wolfram Wende, z. Zt. Student der Schulmusik in Hannover, verkörperte den in Galatea verliebten Hirten Acis. Auch er beherrschte trotz weniger Proben und Krankheit bei der 2. Aufführung seine gesamten Partien. Dank gesagt sei auch Dr. Klaus Schneemann, der die Rolle des weisen Hirten Damon übenahm - und in bewährter Weise diese reizvolle Aufgabe löste. Der festliche erste Teil der Oper endete mit dem stimmungsvollen Bild der Harmonie zwischen Menschen und Natur.

Nach der Pause änderte sich diese Atmosphäre völlig. Angekündigt durch einen Warnchor erschienen nun die furchteinflößenden Zyklopen, die sogar artistische Einlagen gaben. Markus Krause, der den Anführer der Zyklopen, Polyphem, darstellte, ging vollkommen in seiner Rolle auf. Trotz der außergewöhnlich schwierigen Baßpartien, die er bravourös meisterte, bot er eine großartige schauspielerische Leistung. Musikalischer wie auch dramatischer Höhepunkt der Oper war das Terzett von Acis, Galatea und dem eifersüchtigen Polyphem, an dessen Ende dieser den Hirtenjüngling mit einem Felsbrocken erschlug.

Bewundernswert war die Umsetzung der musikalischen Vorlage in die szenische Darstellung, die von Ludger Rademacher und Ludwig Hauf ausgearbeitet wurde. Ise Schönberg, die mit großer Geduld und übersicht sowie mit unerschütterlichem Idealismus und viel musikalischem Einfühlungsvermögen das Werk zur Aufführung brachte, hatte die Gesamtleitung. Mit Recht kann man behaupten, daß die Darbietungen des GiL in weitem Umkreis ihresgleichen suchen. Geplant sind außer den Aufführungen in Marl eine Konzertreise nach Sylt sowie evtl. eine Aufführung in Münster. Allen Beteiligten abschließend ein herzliches Dankeschön! Weiter so!

Carl Schnurawa

Marler Zeitung, 11.03.1985


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