"Grubenfahrt" mit Mackie Messer

  OPER AM GIL: Brecht-Revue wird im Maschinenübungsraum von AV uraufgeführt

Wer im März die neue Produktion der Oper am GiL erleben will, darf nicht auf bequeme Plüschsessel hoffen. Das Publikum wird nämlich Helme tragen müssen und sich wie auf einer Grubenfahrt fühlen: Im Stollengewirr des Maschinenübungsraums von Auguste Victoria 1/2, zwischen Förderbändern und Anschlagketten, präsentieren die Schüler ihre Revue "Von Alabama bis Bilbao" mit Songs nach Texten von Bertolt Brecht.

Einen besseren Aufführungsort kann man sich kaum vorstellen. Die höhlenähnlichen Werkstätten beschwören eine düstere Atmosphäre herauf, die hervorragend zu "Mackie Messer", "Seeräuber-Jenny" und anderen Songs der Dreigroschenoper paßt. Und wenn das schaurige Lied vom toten Nazi-Soldaten ertönt, fährt die Rangierkatze eine Leiche herein.

Kooperation mit Ruhrfestspielen

Brechts kulturelles Engagement für die Arbeiter steht zudem im Einklang mit der Tradition der Ruhrfestspiele. Deren Theaterpädagoge Alois Banneyer, früher Schauspieler am Westfälischen Landestheater Castrop-Rauxel, hat die Regie der musikalischen Revue übernommen.

Neben zwölf Darstellern der Oper am GiL und dem Schulorchester wirken sechs Auszubildende von Auguste Victoria bei der Aufführung mit. So hat der Azubi Thomas Sayongo eine Rap-Version des "Song of Mandelay" mit der passenden Choreographie kreiert.

Melodien von Kurt Weill

Die meisten Songs stammen aus der Feder des Komponisten Kurt Weill, der mit seinen eindrucksvollen Melodien ein Gegengewicht zu den oft zynischen Texten des politischen Provokateurs Bert Brecht schuf, und wie Brecht vor den Nazis flüchten mußte. In der Rahmenhandlung der Revue wird sein Leben verfilmt.

Neben Klassikern wie "Surabaya-Johny" aus "Happy End" werden auch weniger bekannte Balladen von Kurt Weill und Hanns Eisler erklingen. Die Brecht-Revue wird am Sonntag, 14. März, um 20 Uhr im Maschinenübungsraum uraufgeführt. Weitere Vorstellungen sind dort am 15. und 17. März jeweils um 20 Uhr zu sehen.

Karten zum Preis von 12 DM (Erwachsene) und 8 DM (Schüler) gibt es ab 22. Februar bei den Buchhandlungen Dees, Lesezeichen, in der Sternbuchhandlung und im Loekamp-Gymnasium.

VON HEINZ-PETER MOHR

Marler Zeitung, 17.02.99


zurück