Die Marler Zeitung über "Anatevka" :

 

Loekamp-Schüler inszenierten ein optisches und akustisches Erlebnis

Musikalische und schauspielerische Leistungen in wunderschöner Kulisse

MARL. (kru) Die letzten blieben auch bei der zusätzlich ins Programm genommenen Aufführung von "Anatevka" am Sonntagabend draußen vor der Tür. Ausverkauft - zum dritten Mal innerhalb von vier Tagen. Zweifellos: die "Oper am GIL" hat ihren Ruf. Die Räumlichkeiten der Schule reichen da schon lange nicht mehr aus, die Schüler füllen das Theater mehr als einmal. Ein Trost für alle, die In der letzten Woche leer ausgingen: im Mai wird das Musical nochmals wiederholt.

Einerseits und andrerseits ... Tevje, der Milchmann, wägt seine Entscheidungen ab: Soll er seine älteste Tochter Zeitel mit dem reichen Metzger Lazar Wolf verheiraten, obwohl sie den armen Schneider Mottel liebt? Und wie soll er die geplatzte gute Partie seiner Frau Golde erklären? Der Probleme nicht genug, schließlich hat Tevje fünf Töchter, die ihre eigenen Vorstellungen über ihre Zukunft haben.

Die besungene Tradition im russischen Dörfchen Anatevka bricht allmählig auseinander. Die Heiratsvermittlerin Jente verliert ihren Einfluß, die jungen Männer und Frauen finden allein zueinander.

Die Veränderungen in Anatevka nehmen ihren Lauf- die jüddische Gemeinschaft, die verhaftet in der Vergangenheit die Augen vor den politischen Entwicklungen verschließen, wird je aus dem Dornröschenschlaf gerissen. Perchik, der Student aus Kiew, bringt die Idee der Revolution nach Anatevka. Das Volk soll auferstehen gegen die Reichen. Doch das Dorfvölkchen träumt weiter seinen Traum, das alles so bleibt wie es früher war. Am Ende steht die Vertreibung der jüddischen Bevölkerung aus dem Dorf.

Mit dem Musical "Anatevka" nach einer Erzählung von Scholem Aleichem gelingt etwas Erstaunliches: heiter und beschwingt mit mittlerweile weltbekannten Melodien wie "Wenn ich einmal reich wär" unterhält es sein Publikum. Um so tragischer wirkt der Schluß, die Entwicklungen in Anatevka, dessen hinterwälderisches Dasein von der Wirklichkeit eingeholt wird.

Den über hundert Schülern des Loekampgymnasiums gilt bei dieser Inszenierung gleich mehrfaches Lob: ein in jeder Hinsicht stimmiges Orchester, herausragende schauspielerische und gesangliche Leistungen - allen voran Markus Krause In der Rolle des Tevje - harmonierten mit einem phantastischen Bühnenbild: ein dreistündiges optisches und akustisches Erlebnis, zu keiner Minute schleppend oder gar langweilig.

Marler Zeitung, **.**.198*


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