Die WAZ über Annie get your gun :

 

"Annie get your gun" reißt die Zuhörer von den Sitzen

Die "Oper am GiL" feiert durch Eigeninitiative eine berauschende Wiedergeburt / Musikalisch und tänzerisch eine rundum tolle Leistung

MARL. (KU) Tosender Applaus: Der Beifall will nicht enden. Die Zuschauer sind außer Rand und Band. Die Aufführung des Musicals "Annie get your gun" im Theater Marl, auf die Bühne gebracht von der "Oper am GiL", ist ein Riesenerfolg. Schirmher Hubert Schulte-Kemper: "Toll, was junge Menschen auf die Beine stellen können."

Vor der Premiere am Samstag abend herrscht in den Hinterräumen des Theater Marls heillose Aufregung. Nervös huschen einzelne Darsteller/innen umher und proben zum letzten Male ihren Text. "Schnell, ich brauch noch dringend Nähgarn!" Die letzten Vorbereitungen werden getroffen. Ruhender Pol in der Hektik scheint der Hauptdarsteller Ralf Cyrus zu sein. Nüchtern stellt er fest: "Ich weiß nicht, ob ich gut singen kann, aber das werden ich wohl nach der Vorstellung feststellen. Jetzt will ich erstmal Gas geben!" Endlich öffnet sich der Vorhang. Das neue Leitungsteam der "Oper am GiL", Volker Zwetschke, Michael Zobel (beide Organisation), Michael Breugst (Dirigent) und Michael Kleinkes (Chorleiter, Finanzleiter und Darsteller des "Sitting Bull") begrüßen die zahlreichen Zuschauer herzlich und bedanken sich bei ihrem Schirmherrn, der aus eigener Tasche diese Initiative der Jugendlichen unterstützte.

Dann geht es los, und wie: Bei dem Musical "Annie get your gun" handelt es sich um eine Liebesgeschichte im Wilden Westen. Die beiden Revolverhelden Frank Butler und Annie Oakley, beide Mitglieder in einer Wild-West-Show, stehen in einem ständigen Konkurrenzkampf. Annie jedoch will Frank nur imponieren und ihn für sich gewinnen, wobei Frank in Annie seine Konkurrentin sieht. Am Ende finden die beiden Revolverhelden zusammen und gehen ihren Weg gemeinsam. Schon von der ersten Minuten an begeistern die Schüler/innen das tolle Publikum. Immer wieder werden die Darsteller durch den tosenden Applaus unterbrochen. Wer kann auch bei den mitreißenden Songs seine Hände still halten? Überzeugend vermitteln Ralf Cyrus als Frank Butler und Patricia Kutter, die die zweite Hauptrolle der Annie Oakley spielt, musikalisch und schauspielerisch die Atmosphäre des Wilden Westens. Publikumsliebling "Sitting Bull", gespielt von Michael Kleinkes, bringt selbst das erstarrteste Gesicht zum Lachen. Das Orchester unter der Leitung von Michael Breugst untermalt die Solisten und den hervorragenden Chor. Doch nicht nur musikalisch zeigt die "Oper am GiL" ihre erstklassige Leistung. Auch tänzerisch beweisen die Jugendlichen, daß sie in Hochform sind. Gekonnt steppen die Indianer über die Bühne. Das Bühnenbild und die bunten Kostüme wirken richtig professionell. Mit viel Eifer und Mühe versuchten hier Susanne Schneider und Alexa Gardhoff, den Wilden Westen optimal nachzuahmen, was ihnen auch voll und ganz gelungen ist. Kein Wunder also, daß sich die Zuschauer am Ende der Vorstellung gar nicht beruhigen wollen und können. Michael Breugst: "Vor lauter Gratulationen kam ich bei dem anschließenden Sektempfang überhaupt nicht zu meinem Sekt!".

Marler Zeitung, 1993


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