Die Marler Zeitung über "Blutsbrüder" :

 

Yuppie und Knacki: Blutsbrüder verlieren sich nie aus den Augen

GiL-Oper arbeitet an neuem Musicalprojekt/ Premiere ist für Juni 1996 geplant

MARL. (hpm) Als Mädchen ist sie keck, kokett und der Schwarm aller jungen Männer. Als Frau ist sie stark und verantwortungsbewußt. Linda gibt es nicht wirklich, aber es könnte sie geben. Die charakter- starke Figur im Musical "Bloodbrothers" (einer neuen Produktion der Oper am GiL) ist die Traumrolle für 20 Schülerinnen.

Jede will Linda spielen, doch nur zwei GiL-Schülerinnen können sie bei der Premiere im Juni nächsten Jahres verkörpern. Da auch die anderen Rollen heiß begehrt sind, müssen die Bewerber/innen wie die Profis vorsingen und vorspielen: "Dazu gehört natürlich eine Menge Mut", sagt der neue Leiter der Gil-Oper, Gerd Beckmann. 80 Schülerinnen und Schüler arbeiten an den Szenen des Stücks. Hinzu kommt noch ein für das Rock-Musical speziell zusammengestelltes Orchester, in dem klassische Musikinstrumente mit denen einer Rockband kombiniert werden. Die Arrangements schreibt Professor Christoph Hempel von der Musikhochschule in Hannover.

Das Musical "Blutsbrüder" erzählt die Geschichte der Zwillinge Mickey und Eddy Johnstone, die als Babys voneinander getrennt in unterschiedlichen sozialen Milieus der Stadt Liverpool aufwachsen. Der eine bleibt bei seiner leiblichen Mutter, wird kriminell, landet in der Drogenszene und im Gefängnis. Der andere Zwilling wird von einer Fabrikanten-Familie adoptiert und studiert in Oxford. Als Blutsbrüder verlieren sie sich aber nie ganz aus den Augen, zumal sie auch die gleiche Freundin haben: nämlich Linda.

Nicht die Gene prägen uns, sondern Umwelt und Gesellschaft, lautet die plakative Botschaft des Musicals von Willy Russell. Gerd Beckmann hat es vor einem Jahr in London gesehen: "Absolut überzeugend", schwärmt er. "Weil die Handlung des ersten und zweiten Teils zehn Jahre auseinanderliegt, können wir für jede Figur zwei Schülerinnen oder Schüler einsetzen." So ist fast das ganze Gymnasium vom sechsten bis zwölften Jahrgang an der Produktion beteiligt.

Gerd Beckmann, Lehrer für Deutsch und Musik am GiL, hat bereits mit Dattelner Schülern freie Musical-Projekte für die Ruhrfestspiele erarbeitet ("Der kleine Horrorladen", "Happy-End"). Er ist Vizepräsident des Landesmusikrats und setzt sich für die Förderung der musikalischen Jugendarbeit in NRW ein. Als Regisseur für "Bloodbrothers" hat er Theaterreferent Axel Schmidt-Scherer gewonnen, der mehrere Jahre als Dramaturg am Deutschen Theater in Göttingen Schülertheaterprojekte betreute.

Marler Zeitung Montag, 18. September 1995


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