Die WAZ über "Blutsbrüder " :

 

Neue Ära der "Oper am GiL"

Musical "Blutsbrüder" gefeiert

Mit dem Musical "Blutsbrüder" von Willy Russell wurde am vergangenen Freitag die dritte Ära der "Oper am GiL" (Gymnasium im Loekamp) im TM triumphal eingeleitet.

Damit gab Gerd Beckmann, der die Oper am GiL von einem studentischen Leitungsteam übernommen hatte, seinen beeindruckenden Einstand als musikalischer Leiter dieses traditionsreichen Ensembles.

Es ist die Geschichte von Frau Johnstone, die einen ihrer Zwillinge aus finanziellen Gründen direkt nach der Geburt in die Obhut einer reichen Familie gibt. Die beiden Kinder - Mickey und Edward - wachsen in gegensätzlichen Milieus auf, lernen sich zufällig kennen und werden Blutsbrüder. Im weiteren Verlauf der Tragödie verliert Mickey seine Frau an Eddie, und das Geschehen nimmt ein erschütterndes Ende.

In der grandiosen Aufführung durch die "Oper am GiL" wurde diese Story zu einem fesselnden Feuerwerk aus Witz und Tragik. Einen großen Anteil daran hatte Axel Schmidt-Scherer (Regie), der mit seinen Ideen eine packende Inszenierung erreicht hatte.

Doch was wären diese Ideen ohne die Umsetzung durch die fabelhaften Darsteller, die mit ihren schauspielerischen Fähigkeiten ohne Ausnahme verblüfften. Daß die Mitglieder der Oper am GiL auch die Möglichkeit hatten, ihre Sprechtheater-Fähigkeiten demonstrieren zu können, hatten sie dem etwas einfallslosen Komponisten (Willy Russell) des preisgekrönten Musicals zu verdanken, der sein zweieinhalbstündiges Werk mit sehr wenigen, dafür aber wunderschönen Melodien versehen hatte.

Diesen Mangel an musikalischem Reichtum konnte man bei den Gesangsleistungen der Hauptdarsteller aber fast wieder vergessen. Eine ganz besondere Überraschung stellte dabei Katrin Block (Mrs. Johnstone) dar, die mit einer wunderbaren, für Musicalgesang geradezu prädestinierten Stimme gesegnet ist. Gekonnt begann sie mit geradem Ton, um ihre Stimme dann in ein hundertprozentig intonationssicheres, weitschweigendes Vibrato zu führen, das einem eine Gänsehaut nach der anderen bescherte.

Aber auch Sinan Ay (Mickey) und Stephan Arnold (Edward) haben eindrucksvolle Stimmen, die sich bei dem großen Duett der "Blutsbrüder" fantastisch mischten. Unterstützt wurden die Sänger durch Bandk1änge aus dem Orchestergraben, die das TM mit synthesizerunterlegten und von E-Gitarrenriffs begleiteten Saxophonsoli füllten. So war schon bei den ersten Tönen klar: hier ist eine neue Oper am GiL, die einen neuen Weg eingeschlagen hat. Daß dieser Weg auch richtig war, bekamen die Mitwirkenden vor und hinter den Kulissen zu spüren, als sich das Publikum beim großen Finale nicht mehr auf den Sitzen halten konnte und die Leistungen der hervorragenden Laien mit standing ovations honorierte.

Michael Breugst WAZ, 29. Juni 1996


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