137 Schüler machen Penne zum Musiktheater

Einmal im Jahr verwandelt sich der geordnete Schulbetrieb des Marler Loekamp-Gymnasiums in ein kreatives Chaos. Mit dem letzten Gongschlag nach Schulschluß beginnt in der Aula das Durcheinander. Rund 60 Schülerinnen und Schüler treten sich auf der kleinen Bühne auf die Füße, mittendrin als ruhender Pol: die Musiklehrerin. Wozu große Musiktheater einen Riesenaufwand an Personal und Technik sowie eine Millionenetat benötigen, das schaffen 137 Loekamp-Schüler aus eigener Kraft: Sie stellen eine veritable Oper auf die Beine. Und das nicht zum ersten Male. Kästner erfand das "fliegende Klassenzimmer" - was man gerade am Loekamp antrifft, sind "singende Klassenzimmer".


Solisten, Orchester, Chor, technisches Personal - insgesamt sind es 137 Schülerinnen und Schüler, die am Marler Loekamp-Gymnasium nun schon zum siebten Male ein Stück Musiktheater gewagt haben. Nach ihren Opernerfolgen in den Vorjahren haben sie diesmal in monatelanger Probenarbeit eine Offenbach-Operette aus eigener Kraft auf die Beine gestellt.    Foto: Schneeweis

Der siebte Streich wurde jetzt am Marler Gymnasium ausgeheckt: Nach den großen Vorjahreserfolgen unter anderem mit Opern von Britten und Bresgen wenden sich die Schüler diesmal der leichteren Muse zu. Das siebte Werk, an das sie sich heranwagen, ist die Buffo-Operette "Die Damen auf dem Markt" von Jacques Offenbach.

Monatelang haben die Jugendlichen mit ihrer Musiklehrerin Ise Schönberg an dem temperamentvollen Stück Musik gearbeitet. Von der Pikkolo-Flöte bis zum Kontrabaß, vom Kostüm bis zur Titelpartie spielen und gestalten die Schüler alles selbst.

Herausgekommmen ist dabei eine frappierende Leistung: Eindrucksvoll zu spielen, souverän zu singen, sauber und mitreißend zu musizieren ist eine Sache - das alles gleichzeitig zu tun und zu einem Guß zu verschmelzen ist eine Leistung, die man angesichts des jugendlichen Alters der Akteure gar nicht hoch genug einschätzen kann.

Das Loekamp-Gymnasium scheint in musischer Hinsicht eine unerschöpfliche Fundgrube zu sein. Beinahe jeder zweite Schüler ist ein Talent. Die Modewelle "Mein Kind muß zur Musikschule", die so oft beklagt wurde, hier sieht man einmal ihre positivste Auswirkung. Wenn die Begabungen naturgemäß noch längst nicht voll ausgebildet sind, so kann man doch über die stimmlichen und musikantischen Qualitäten der Schüler nur staunen.

Ihr Sinn für Dynamik, ihr ungeschliffener, natürlicher Charme und ihre unbändige, unverbrauchte Spielfreude sind ihre großen Pluspunkte, um die sie macher Profi beneiden mag. Sicherlich ein Ergebnis engagierter Musikpädagogen. Mit sehr viel Spaß an der Sache haben die Schüler ihre Freizeit in die lange Probanarbeit investiert.

Den ersten Lohn für ihre Mühe haben sie bereits bekommen: Zwei erfolgreiche Gastspiele im Marler Stadttheater. Weitere Auftritte mit der Geschichte der jungen Marktfrau Pimpernelle folgen in Kürze (so nehmen sie am 8. Juni mit ihrer Operetten-Einstudierung am Wettbewerb "Schulen musizieren" in Witten teil. Anschließend folgen Gastspiele in Herford.

Auf die nächste Mammut-Inszenierung des Loekamp-Gymnasiums darf man schon heute gespammt sein. Zweifellos wird auch sie wieder das Prädikat "unbedingt hörens- und sehenswert" verdienen. -alp-

Marler Zeitung, Kulturszene der Region, 5. Juni 1984


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