Die Marler Zeitung über "Hänsel und Gretel" :

 

Loekamp-Ensemble "verhext" das Publikum

Märchenoper "Hänsel und Gretel": Eine herausragende Gesamtleistung unter der Leitung von Ise Schöberg

Marl. Bei der Premiere am Freitagabend von Engelbert Humperdincks Oper "Hänsel und Gretel" durch Schüler des Gymnasiums im Loekamp unter der bewährten Leitung von Ise Schönberg war das Theater der Stadt Marl bis auf den letzten Platz besetzt. Nicht viel anders wird es bei den beiden Aufführungen am Samstag und Sonntag gewesen sein.

Wenn man einmal die Chronologie der "Oper am GiL" liest, so war mit Humperdincks Oper "Hänsel und Gretel" sicherlich ein neuer Höhepunkt erreicht, und man war hiermit auch sicherlich an den möglichen Grenzen "vokaler und instrumentaler Laienkunst" angelangt.

Wer Humperdincks Partitur kennt, weiß um die vielen Schwierigkeiten bei der Aufführung. Um so bemerkenswerter sind die Tatsache und der Mut zu würdigen, mit "totalen Laien" ein solches Vorhaben umzusetzen. Fragt man sich, warum diese Oper auch heute noch oder gerade heute so viel Zuspruch erfährt, so liegt das nicht zuletzt in der Tatsache begründet, daß Humperdinck in seiner Oper die schlichte Seele des einfachen Volkes sucht. Und so weiß man oft nicht, welche Melodie von ihm stammt oder echtes Volksgut ist. Von daher wirkt es um so ergreifender und packender, wenn "einfache Stimmen" die volksliedhaften Weisen darbieten wie an diesem Abend.

Vorweg darf man sagen, daß die Aufführung der Märchenoper ein Riesenerfolg war. Ganz besonderen Anteil daran hatten Markus Krause mit seiner gewaltigen Stimme als Besenbinder wie auch Anja Berke als seine Frau; Karin Brindöpke als Hänsel und Katrin Dreyer als Gretel wirkten ungemein echt, frisch und unkompliziert. Susanne Schneider als Hexe wußte durch außerordentliche Mmik und Gestik alles zu verhexen und zu verzaubern.

Das Orchester des GiL konnte nach anfänglicher Nervosität überzeugen und hatte wesentlichen Anteil am Gesamtgelingen. Nicht zuletzt müssen die Choreographie durch Beate Buchholz, Bühnenbild, Kostüme und Plakat durch Susanne Schneider erwähnt werden, ebenso die vielen Helfer hinter der Bühne; sie alle machen erst eine solche Auffürung möglich.

Die größte Leistung aber im pädagogischen wie im musikalischen Bereich durfte Ise Schönberg vollbracht haben. Die Zuhörer dankten am Schluß allen Beteiligten mit nicht endendem Applaus.

Josef Stickling, Marler Zeitung, 03.05.1988


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