Filmkomponist schreibt für Schüler

 
OER-ERKENSCHWICK. (nina) "Kai aus der Kiste" von Autor Wolf Durian ist das Kultkinderbuch der 20er-Jahre. 1989 wird es verfilmt; die Musik dazu schreibt Johannes Schlecht. Nun, 18 Jahre später, erlebt das Stück seine Wiedergeburt (oder besser Neugeburt) - exklusiv für das Gymnasium im Loekamp (GiL) umgeschrieben zum Musical. -

"Als ich die Anfrage bekam, ob ich dem Gymnasium in Marl helfe, den Film bühnentauglich zu machen, war das eine Überraschung. Mein Traum war es schon immer, "Kai aus der Kiste als Musical zu inszenieren", erzählt Johannes Schlecht bei den Proben der Hülser im Oer-Erkenschwicker Salvador-Allende-Haus.

Etwa 80 Schüler wirken mit an der Inszenierung, geleitet von Gerd Beckmann und Andrea Möller. Das Problem: Viele würden gern singen, doch es gibt nicht für jede Hauptperson auch Lieder. Daher musste Johannes Schlecht, geboren 1945 in Neuhaus-Schiernitz, später mit zahlreichen nationalen und internationalen Preisen (unter anderem für den Film) ausgezeichnet, noch einmal selbst ans Werk. Durch ihn wurde das Stück jetzt umfangreicher.

Gerd Beckmann berichtet: "Wir haben in mühevoller Kleinarbeit zunächst versucht, die Originalnoten wieder ausfindig zu machen." Doch Songs, die es nicht gab, konnte niemand finden. Komponist Schlecht und Texter Meyer waren bereit, neue Stücke zu schreiben, ohne Honorar.

Dabei sind die neuen zusätzlichen Melodien nicht der einzige Höhepunkt der Aufführung. Auch das Bühnenbild sieht wohl etwas anders aus als das früherer Tage. Eine Drehbühne und verschiedene optische Tricks komplettieren das Bild einer mit großem Aufwand verbundenen Veranstaltung.

Der Aufwand war nicht nur bei der Inszenierung groß. Beckmann erzählt aus der Zeit vor den Proben: "Es war ein riesiges Durcheinander, erst einmal an die Film- und Textrechte zu kommen. Wir mussten bei der Filmgesellschaft, den Nachkommen des Buchautors Wolf Durian, dem Texter und dem Komponisten um Erlaubnis bitten.

 

 

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Der Inhalt der Geschichte erinnert in seinen Grundzügen ein wenig an die "Dreigroschen-Oper" von Bertolt Brecht und Kurt Weill: Ein Junge aus ärmlichen Verhältnissen versucht, mit seiner Bande, der "schwarzen Hand", Werbekönig für einen Kaugummi-Hersteller zu werden. Weil er sich gegen einen anderen Konkurrenten durchsetzen muss, greift der Protagonist dabei zu allerlei Tricks.

"Wir haben sowohl eine Geschichte für Kinder als auch für deren Eltern, die den sozialkritischen Hintergrund verstehen. Wir arbeiten mit dem Publikum, haben sogar zwei unterschiedliche Schlussversionen." Der Vergleich zum Epischen Theater von Brecht, das sich selbst dem Publikum auch öffnet, ist also mehr als plausibel, erklärt Andrea Möller.

Auch Komponist Schlecht zieht den Vergleich von seiner Musik zu den Klängen von Weill gerne: "Nichts ist schlimmer als verkrampft ernster Musik lauschen zu müssen. Ich mache Musik, die unterhält, aber durchaus komplex ist."

Vergleich zum epischen Theater


Marler Zeitung, 30.10.2007