Aus der Kiste auf die Drehbühne
WAZ Marl, 25.11.2007, Von Felix zur Nieden

Schüler des Gymnasiums im Loekamp zeigen ihre Version von "Kai aus der Kiste" Schülervater Udo Lutz investierte hunderte Arbeitsstunden in die neue Drehbühne in der Aula.


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(JM)Marl. Knapp ein Jahr lang haben Schüler, Lehrer und Eltern des Gymnasiums im Loekamp geprobt und jede freie Minute geopfert, um einen kleinen Jungen jede Menge Kaugummi verkaufen zu lassen. "Kai aus der Kiste" ist die neue Produktion der "Oper am GiL": Berlin in den 20er Jahren. Kai lebt mit seiner Mutter und seinen beiden Geschwistern in ärmlichen Verhältnissen. Als ein amerikanischer Millionär in die Stadt kommt, um Kaugummi auf dem deutschen Markt zu etablieren, wittert Kai seine Chance. Er will der Reklamekönig von Berlin werden.

Colin Germesin spielt den frechen Lausbuben, der dem Millionär Mac Allen aus einer Holzkiste heraus erscheint, um sich für den Job des Reklamekönigs zu bewerben. Sein Kontrahent in dem Wettstreit um den Posten wird Nicholas Schwickrath, der den Werbeagenten Alexander Kubalski spielt. Gebannt bestaunten die Zuschauer in der bis auf den letzten Platz gefüllten Aula, was das Ensemble von Musiklehrer Gerd Beckmann und Musiklehrerin Andrea Möller auf die Bühne zauberte.

Die Spielfläche selbst war schon ein Highlight. Die hatte nämlich Udo Lutz gezimmert. Der Verkehrsplaner der Stadt Marl ist leidenschaftlicher Hobbybastler, Schulpfleg-schaftsvorsitzender und Vater dreier Kinder am Gymnasium im Loekamp. Immer, wenn etwas gebaut werden muss, ist der 48-Jährige der Joker des Loekamp-Gymnasiums. Um gleich zwei verschiedene Räume auf der Bühen darstellen zu können, musste Lutz eine Drehbühne entwickeln.

"Monatelang habe ich an der Bühne gebaut", sagt der Familienvater. Wie viel Holz, Nägel und Schrauben er verbaut hat, das kann er chon gar nicht mehr sagen. Erst einen Tag vor der Aufführung im Morgengrauen wurde das letzte Teil fertig. Herzstück der Drehbühne ist das Innenleben einer ausrangierten Waschmaschine. "Wir mussten die gesamte Konstruktion zentrieren und da bot sich das an", sagt Lutz. Mit zwei Personen und jeder Menge Muskelkraft kann so auf der einen Seite das Hotelzimmer des Millionärs und auf der anderen Seite die ärmliche Wohnküche von Kais Familie gezeigt werden. Und da alles Marke "Eigenbau" ist, hat das ganze gerade einmal 1000 Euro gekostet.


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