Mann im Mond
Mit ihrer Oper "Der Mann im Mond" landeten die Loekamp-Schüler eine vollen Erfolg.
Foto: Müller

Einjährige Vorbereitung hat sich gelohnt

174 Schüler machten Gymnasium zur Mailänder Scala

Donnernder Applaus für großartige Aufführung / Mammutprojekt geglückt

MARL. (tom) Lang anhaltende Ovationen des dankbaren Publikums sind der Traum eines jeden Opernsängers. Für die noch recht jungen Künstler des Gymnasiums im Loekamp wurde dieser Traum Wirklichkeit. Kaum war der letzte Ton ihrer mit Spannung erwarteten Opernpremiere von Cesar Bresgens "Der Mann im Mond" verklungen, da hallte den insgesamt 174 Mitwirkenden das entgegen, was sie sich zwei Stunden lang redlich verdient hatten: donnernder Applaus.

Nach über einjähriger Vorbereitungszeit endlich der ersehnte Augenblick: Nun muß es sich zeigen, ob auch im Ernstfall alles so klappt wie bei den Proben oder ob die schwere Aufgabe, die man sich selbst gestellt hat, nicht doch eine Nummer zu groß ist. Aber schon während der Overtüre wird es dem Zuhörer in der vollbesetzten Aula klar, daß in der Probenzeit wirklich intensiv gearbeitet worden ist.

Das noch sehr junge Schulorchester meistert seine Aufgabe großartig. Die wenigen Unsicherheiten fallen nicht ins Gewicht, dafür aber das feine Gespür für den musikalischen Gehalt. Unter der Leitung Ise Schönbergs musizieren die Instrumentalisten so, wie es die Musik verlangt: Rhytmisch prägnant und die Stimmungswechsel deutlich hervorhebend. Die Partien der Gesangssolisten sind bis auf eine Ausnahme von Schülern besetzt. Auf ihnen lastet zunächst natürlich der große Druck des erwartungsvollen Publikums. Aber schnell legt sich die erste Nervosität und die Sänger entfalten ihr ganzes Können. Barbara und Melanie Frenzel haben die Hauptrollen des jungen Prinzenpaares, das sich vermählen will, übernommen. Ihre dankbaren Partien meistern sie großartig. Begeisternd vor allem Melanie Frenzel, die mit ihrer erstaunlich ausgereiften Stimme fast wie ein Profi wirkt.

Überhaupt wirken die Gesangsstellen gut koordiniert. Sei es bei den Duetten, dem Terzett oder gar dem burschikosen "Holzfäller-Quartett": Sowohl die Darbietung der Sänger als auch die schwierige Koordination mit dem Orchester klappt vorzüglich. Sehr effektvoll ist auch die Choreographie. Mondstrahlen, die einen Reigen tanzen, dämonische Mondwesen, die über die Bühne geistern und Hofleute bei "Massenszenen" wie in der Mailänder Scala: Sie alle singen und spielen so frei, daß es eine Lust ist, ihnen zuzuschauen.

Zu einer großen Oper gehören natürlich auch großartige Bühnenbilder. Auch sie sind, wie die sehr aufwendigen Kostüme, von den Schülern in Arbeitsgemeinschaften angefertigt wirden. Zu guter Letztist es auch noch eine Gruppe von Schülern, die im entscheidenen Augenblick für den richtigen Lichteffekt sorgt.

Nach etwa zwei Stunden ist der große Abend vorbei. Es ist müßig zu rätseln, wem die Aufführung größeren Spaß gemacht hat - den Mitwirkenden oder den Zuhörern. Übrigens: Vor der "Tournee" in die Partnerstadt Creil wird auch den Marlern Musikfreunden "Der Mann im Mond" am 30. April um 17 Uhr noch einmal geboten.

Marler Zeitung, am 15. März 1982


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