Opern Premiere der Loekamp-Gymnasiasten

Noahs Flut schwemmt Schüler-Talente an die Oberfläche

Zweite Vorstellung heute abend in der Christuskirche

MARL. (siek-) Es fing damit an, daß in der zum Bersten gefüllten Herz-Jesu-Kirche von irgendwoher die sonore Stimme des Herrn erklang und dem Noah befahl, eine Arche zu bauen. "Von allen lebendigen Wesen nimm je zwei mit in die Arche hinein, um sie mit dir am Leben zu erhalten", tönte es wie Donnergrollen aus unbestimmbaren Gefilden des Hülser Gotteshauses, und just in einer effektvollen Pause brach es aus einem jeansbehosten Mädchen in der hinteren Stehreihe heraus: "Mein Gott, dat is ja der Kaloff...!"

Es war tatsächlich Harro Kaloff, Lehrer am Loekamp- Gymnasium, der Gott dem Herrn bei der Premiere von "Noahs Flut" die Stimme verlieh. Ein Jahr lang hatten in seltener Einmütigkeit Lehrer und Schüler aus allen Jahrgangsstufen unter der Leitung von Ise Schönberg die Vorbereitungen für die geistliche Oper des britischen Komponisten Benjamin Britten getroffen, Teamarbeit und Fleißarbeit gleichermaßen, und das Ergebnis kann sich sehen lassen: Kein statisches, verklemmtes Gesangsstück wurde dem buntgemischten Publikum da geboten, sondern eine lebendige, moderne Oper mit klassischen Elementen und zeitloser Thematik.

 

Noahs Flut
Noah und seine Tiere: Ein Lobgesang auf den Herrn! Das Publikum allerdings traute sich nicht recht und hauchte trotz Ise Schönbergs Aufforderung zum Mitsingen den Choral nur zaghaft mit.
Foto:Manfred Strohrmann

Da ist Noah alias Markus Krause, Baß-Bariton und Primaner, der mit seinen drei Söhnen die Arche baut und - fast wie im richtigen Leben - zunächst einigen Ärger mit seinem Weib (gespielt von Bettina Melcher) einstecken muß. Musikalisch hervorragend begleitet vom Schulorchester und in wenigen kritischen Augenblicken unterstützt durch Souffleuse Anja Kuthe zeigten die Pennäler, daß man nicht unbedingt Rudolf Schock oder Anneliese Rothenberger heißen muß, um ein Publikum zu begeistern. Einziger Kritikpunkt: Die Texte waren nicht immer einwandfrei zu verstehen.

Besondere Mühe hatten sich auch die Helfer hinter den Kulissen gegeben: Von eindrucksvollen Beleuchtungseffekten in den entscheidenden Momenten bis zum feierlichen Einmarsch einer gipsköpfigen Schar phntasievoll hergerichteter Bären, Mäuse und Hasen waren weder Mühe noch Zeit gescheut worden bei den einjährigen Vorarbeiten. "Kyrie eleison" brummten die Bären, schrien die Esel und piepsten die Mäuse beim Einzug in die "Arche", und ohne eine Gänsehaut oder ein leises Lächeln kam wohl keiner der Zuschauer davon.

Am heutigen Samstag haben die Marler noch einmal Gelegenheit, sich von der Kreativität der Loekamp-Schüler zu überzeugen. Um 17 Uhr wird "Noahs Flut" noch einmal in der Christuskirche gezeigt. Übrigens sollen auch die Süddeutschen auf den Geschmack gebracht werden: Eine Konzertreise wird die Akteure, Statisten, Musiker und die Organisationsmannschaft bald nach Stuttgart führen.

Marler Zeitung, 5./6. März 1983


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