Die Marler Zeitung über Noahs Flut:

 

Toller Erfolg für Loekamp-Schüler! "Noahs Flut" begeistert Publikum

Ensemble vertritt Land NRW beim Bundeswettbewerb "Schulen musizieren"

MARL. (SyG) Nachdem Noah als letzter die Arche verlassen hat, herrscht sekundenlang andächtiges Schweigen. Erst dann brandet der Beifall auf. Mehrere Zugaben, Blumen und Beglückwünschungen für Ise Schönberg machen deutlich: Es ist den Schülern des Loekamp-Gymnasiums wieder gelungen, ihr Publikum zu begeistern, diesmal mit einer christlichen Oper: "Noahs Flut" von dem englischen Komponisten Edward Benjamin Britten. Die Premiere am Samstag in der Herz-Jesu-Kirche war ein voller Erfolg.

Was dem englischen Publikum bei der Uraufführung der Oper in den X0er Jahren keinerlei Probleme bereitete, muß hier und jetzt erst einstudiert werden: das Mitsingen. So wurden der eigendlichen Vorstellung kurze Gesangsübungen vorangestellt. Die Zuschauer - auf diese Weise zu Mitwirkenden geworden - lernten bereitwillig und überraschend schnell drei Choräle, die Benjamin Britten damals in den englischen Gemeinden als bekannt voraussetzen konnte.

Die Geschichte von Noah und der Sintflut jedenfalls kennt jeder - damals wie heute. Die Handlung der Oper entspricht genau der biblischen Vorlage. Nur eine Ausnahme gibt es: Noahs Privatleben, insbesondere die Beziehung zu seiner Frau, wird näher beleuchtet. Frau Noah, dargestellt von Maria Hauk, ist eine rechte Quertreiberin. Sie weigert sich,die Arche zu besteigen, will lieber bei ihren Freundinnen, den "Tratschen", bleiben. Schließlich muß Noah Gewalt anwenden, was ihm eine kräftige Ohrfeige einbringt.

Turbulente und besinnliche Szenen wechseln einander ab, Gesang, Musik und die selbstausgedachten schauspielerischen Elemente sind hervorragend aufeinander abgestimmt. Auch die sorgfältig angefertigten Kostüme und Bühnenbilder bringen viel Leben und Farbe in die Geschichte von der Sinnflut.

Ein besonderer Höhepunkt im wahrsten Sinne des Wortes sind die nahezu akrobatischen Einlagen der Affen beim Einzug in die Arche. Ebenfalls herausragend: der Tanz von Rabe und Taube, die Noah ausschickt, Land zu suchen. Als Choreographen fungierten auch die Darsteller selbst; eine besonders beachtliche Leistung, wenn man bedenkt, daß sie auf diesem Gebiet noch kaum Erfahrung gesammelt haben.

"Es war die beste unserer Aufführungen. Die Beziehungen zum Publikum war ganz besonders groß", beschreibt "Noah" Markus Krause seine Eindrücke nach der Aufführung. "Die größten Schwierigkeiten bei den Proben", so der zur Zeit in Detmold Schulmusik Studierende, "waren die Massenszenen." Kein Wunder: Rund 130 Personen waren an der Aufführung beteiligt, davon 50 allein im Orchester. Auffallend auch, daß diesmal besonders viele jüngere Schüler mitwirken. "Perfektion ist nicht möglich", erklärt Ise Schönberg, die die Gesamtleitung innehatte. "Unser Ziel bei dieser Oper war: kein Chaos und keine Langeweile." Laut Publikum ist die GiL-Truppe über dieses Ziel jedoch weit hinausgeschossen.

Eine Ruhepause ist für Ise Schönberg und ihre Schützlinge noch lange nicht in Sicht! Unmittelbar nach der Aufführung von "Noahs Flut" beginnen nochmals Proben für "Anatevka". Auf Anregung und Einladung der Israelstiftung hin wird das Musical in wenigen Wochen im Ruhrfestspielhaus wiederaufgeführt. Auch ist "Anatevka" der nordrhein-westfälische Beitrag für die Bundesbegegnung "Schulen musizieren".

Dr. H. Wi.

Marler Zeitung, 24.02.1987


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