Die WAZ über "Oliver!" :

 

Gil-Schüler lassen die Welt des Oliver Twist aufleben

Musical "Oliver!" mit 80 Akteuren im ausverkauften TM

(uk) "Oliver, mach die krummen Finger schön lang!", forderte der raffgierige Hehler Fagin tanzend und singend vom kleinen Oliver Twist bei der Musicalaufführung "Oliver!" des Loekampgymnasiums am Samstag abend im restlos ausverkauften Theater. Das Musical von Lionel Bart nach dem bekannten Dickens-Roman "Oliver Twist" wurde von über Akteuren gesungen und gespielt. Die Geschichte des Oliver, dessen Rolle Susanne Lange beeindruckend sang, spielt im England des letzten Jahrhunderts. Die unteren sozialen Schichten, "Armenhäusler", Tagediebe, Hehler, Prostituierte sind die Welt des Oliver, der im Waisenhaus aufwachst.

Oliver wird von den Waisenhausleitern an einen Bestattungsunternehmer verkauft, wo er genauso schlecht behandelt wird wie zuvor. In einem sehr schönen Solopart beschreibt die zwölfjährige Susanne Lange Olivers Einsamkeit ("Wer liebt mich?"). Der Hauptakteur des Stückes flieht und gerät unbedarft in die Fänge des Fagin, einem Hehler. Dort soll Oliver zu einem Taschendieb ausgebildet werden. Doch der naive Oliver wird sogar für einen von ihm nicht begangenen Diebstahl festgenommen und gerät an einen Mr Brownlow, der - wie sich später herausstellt - sein Großvater ist und ihn aufnimmt. Trotz des für Oliver glücklichen Ausgangs ist das Stück von den anderen Hauptdarstellern durch sentimentale und traurige Szenen geprägt. Der Hehler Fagin, sehr ausdruckstark dargestellt von Sören Fenner, "überdenkt" seine Lage im "Teufelskreis" der Armut. Sören Fenner ist Musikstudent aus Hamburg und wurde für einen kurzfristig ausgefallenen Loekampakteur engagiert. Der Scharlatan Bill Sikes (Michael Kleinkes), der Oliver vom Großvater weg ins Gaunermilieu zurückzuholen versucht, wird erschossen. Seine Geliebte Nancy (Katrin Dreyer), die überzeugende Soli lieferte, wird von Bill Sikes brutal erwürgt, weil sie Oliver half. Das Stück, das in fast einjähriger Vorbereitungszeit unter der Leitung von lse Schönberg einstudiert wurde, glänzte vor allen Dingen durch die Leistungen der Hauptakteure und die größeren Gesangsnummern in Fagins Haus und in der Spelunke mit Bill Sikes. Der Gang der Handlung wurde dramaturgisch nicht immer überzeugend dargeboten. Der langanhaltende Beifall für die Gil-Schauspieler und das Orchester war aber in jedem Fall verdient.

WAZ, 1989


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