Auch Oper am GiL muss Miete zahlen

 

THEATER: Politik beschließt Beitrag für Schulen und Vereine

Wer die Theaterbühne für eigene Veranstaltungen nutzt, soll sich künftig an den Kosten beteiligen. Das sehen neue Vertragsbedingungen über die Theater-Miete vor, die der Kulturausschuss gestern nach langer Diskussion beschloss.

Danach müssen Schulen und andere städtische Veranstalter ab Juli 500 Mark für den Aufführungstag bezahlen, Vereine und Chöre sogar 1000 Mark. Für einen Tag mit Proben, Auf- und Abbau werden den Schulen 250 Mark berechnet, den Vereinen 400 Mark. Außerdem sollen Zusatzkosten für die Nutzung des Klaviers oder der Tonanlage erhoben werden. Bisher mussten Schulen und Vereine keine Grundmiete, sondern nur Nebenkosten zahlen. Wie Kulturdezernent Joachim Hasselmann betonte, sei die Stadt aufgrund ihrer finanziellen Lage zu den Änderungen gezwungen. Zumal die Feuerwehr darauf dränge, dass künftig bei jeder Aufführung und Probe ein Beleuchtungs- und ein Bühnenmeister anwesend ist.

Fördermittel in Härtefällen

Deshalb müsse die Stadt einen neuen Bediensteten einstellen und bei einem benachbarten Theater eine Honorarkraft anfordern. "Es entstehen zusätzliche Kosten von 100 000 Mark", rechnete Hasselmann vor.

Rolf Rudert, Schulleiter des Gymnasiums im Loekamp (GiL), protestierte gegen die Erhebung einer Grundmiete: Sie zwinge die GiL-Oper dazu, bei jeder Produktion 1500 Mark abzugeben: "Dann müssen wir den Eintrittspreis erhöhen. Eine Grundmiete birgt die Gefahr, dass Engagement kaputt gemacht wird, dass aus der GiL-Oper ein kleines Schultheater wird."

Theaterreferent Axel Schmidt-Scherer entgegnete, dass die GiL-Oper bei 700 zahlenden Zuschauern, einem Eintrittspreis von 12 Mark und einem Programm mit Werbeanzeigen die Mehrbelastung aufbringen könne: "Daran wird keine Aufführung scheitern." Die Stadt verlange nur eine geringe Beteiligung an den realen betriebswirtschaftlichen Kosten von etlichen tausend Mark.

Auch CDU, SPD und Grüne verteidigten den Kostenbeitrag: "Es macht keinen Sinn, dass Schulen auf Kosten eines schrumpfenden Theateretats Veranstaltungen machen können", argumentierte Johannes Westermann (Grüne). Nur WIR für Marl lehnte die Miete ab. Die letzte Entscheidung liegt beim Rat.

Die Kulturausschussvorsitzende Ingrid Heinen (SPD) stellte den Schulen Fördermittel des Ausschusses in Aussicht, falls Aufführungen gefährdet sein sollten.

Auch kommerzielle Veranstalter können laut Beschluss der Politik künftig das Theater nutzen, falls dies der Spielplan zulässt. Sie müssen aber die deutlich höhere Miete von 3500 Mark am Veranstaltungstag zahlen. Schmidt-Scherer: "Von Leuten, die richtig Kohle machen, wollen wir auch richtig Geld nehmen." Die Eintrittspreise für das Theater werden ab der kommenden Spielzeit auf Beschluss des Kulturausschusses um 2 Mark, in der untersten Kategorie um eine Mark angehoben.

HPM, Marler Zeitung, 23.03.2000

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