Vermietung: Viel Theater ums Theater

 

Ahlert sieht Gefahr für SchulkuItur

Auf erheblichen Widerstand bei den Schulen stieß im Kulturausschuss die von SPD (Heinrich Ahlert enthielt sich), CDU und Grünen letztlich beschlossene neue Entgelt-Verordnung für die Vermietung des Theaters. Dagegen stimmte nur die Bürgerliste Wir für Marl.

So sollen beispielsweise die städtischenVeranstalter, dazu zählen auch Schulen und Kindergärten, die bislang keine Grundmieten entrichten mussten, ab Juli für den Veranstaltungstag 500 Mark, fur die zweite Veranstaltung am selben Tag 300 Mark und für die Aufbautage 250 Mark bezahlen.

Rolf Rudert, Schulleiter des Gymnasiums im Loekamp, warnte vor negativen Auswirkungen beispielsweise auf die Oper am GiL. "Hier besteht die Gefahr, dass etwas kaputt gemacht wird."

"Wir kommem leider nicht daran vorbei."

Und Heinrich Ahlert (SPD-Mann und ehemaliger Schulleiter der Willy-Brandt-Gesamtschule) sieht gar die Schulkultur bedroht: "Wenn man die Schulen mit Nutzungsentgelt belastet, dient das wohl nicht der Motivation."

"Wir kommen leider nicht dran vorbei", sagte Wilfried Groß (CDU), "die Haushaltslage ist ebenso." Der enge Finanzrahmen für den Theaterbetrieb zwinge dazu, sich am Kostendeckungsgrad zu orientieren. Immerhin beliefen sich die realen Kosten je Aufführung, so Theaterreferent Axel Schmidt-Scherer, "auf etliche tausend Mark".

Hinzu komme, so Kulturdezernent Joachim Hasselmann, dass "uns das TM in Zukunft noch mehr kostet". Und zwar genau rund 100 000 Mark an Personalkosten zusätzlich. Die Marler Feuerwehr dringe nämlich plötzlich darauf, dass ein Beleuchtungsmeister und ein Bühnenmeister da sein müssten. Deshalb müsse ein Mitarbeiter mit dieser Qualifikation neu eingstellt und die zweite Stelle auf Honorarbasis eingerichtet werden.

Bezuschussung aus Kulturtöpfen

Während sich die Schulvertreter auch im Verlauf der Diskussion weiterhin schwer taten, die desolate Finanzsituation zu akzeptieren, bezogen die Politiker eindeutig Stellung. Johannes Westermann (Grüne): "Ich halte es für legitim, dass wir eine Gegenleistung von den Schulen bekommen." Groß: "Wir müssen den Haushalt eben an allen Ecken und Kanten in Ordnung kriegen." Und Ingrid Heinen (SPD): "Es ist schwierig, aber "wir werden immer jemandem wehtun." Immerhin versprach die Ausschussvorsitzende Heinen, dass man bei Finanzproblemen von Schulveranstaltern sicherlich eine Lösung finden werde. So gebe es doch die sogenannten Kultur-Feuerwehr-Töpfe, aus denen man für entspre chende Bezuschussung sorgen könne.

röm, WAZ, 27.03.2000

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