"Spray Attack" trifft voll auf den Nerv

 

Oper am GiL: Rock-Musical über Spaß und Ernst im Leben Jugendlicher zum 30. Geburtstag / Eine gekonnte Mischung

 

 

Die Bühne ist mit einem spärlichen, blauen Licht erhellt. Eine Gruppe Jugendlicher tritt vor den blanken Hintergrund. Noch weiß der Zuschauer nicht, wer sich ihm dort vorstellt. Erst als die Bühnenteile gen Publikum gedreht werden, offenbart sich, was die Jugendlichen im Schutze der Nacht getan haben. Sie sind ihrem Lieblingshobby nachgegangen, dem Sprayen.

Am Dienstag startete im Theater Marl "Spray Attack", die 31. Produktion der Oper am GiL. Dieses Mal beschäftigten sich die Gymnasiasten mit dem Thema Graffiti. Doch nicht etwa der künstlerische Aspekt sollte dabei im Vordergrund stehen, sondern vielmehr die Jugendlichen selbst und der Zwiespalt zwischen Kunst und Schmierereien, den die Sprayer leben.

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  Lena versucht den Konflikt zwischen der Sprayergang und Tobi zu schlichten.

 

Die Protagonisten des Stücks sind Lena und Tobi. Die 15-jährige Lena (Inga Murawski) surft liebend gern im Internet und unterhält sich in Chaträumen mit anderen Gleichaltrigen. Eines Abends meldet sich bei ihr ein gewisser "Nad" alias Tobi (Mehmet Ese), der erst seit wenigen Tagen in Lenas Stadt wohnt. Schnell kommt es zu einer Verabredung zwischen den beiden.

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Doch zum ersten Treffen kommt es erst gar nicht. Während Lena sich verspätet, wird Tobi von der eingangs vorgestellten Sprayergang angemacht. Der Laden seiner Mutter wird kurz darauf das Ziel der Graffiti-Künstler. Als Tobi die Gruppe zur Rede stellen will, wird er von deren Mitgliedern verprügelt.

Trotz der Hindernisse kommt es doch noch zum Treffen zwischen Tobi und Lena. Es ist Liebe auf den ersten Blick. Was Tobi allerdings nicht weiß: Christ, der Anführer der Sprayergang, ist Lenas Bruder. Als Lena jedoch schließlich dahinter kommt, was Chris und seine Freunde getan haben, greift sie ein und versucht, die Sache wieder zu richten.

  Tobi beim Chat im Internet
 

Was den Zuschauern mit dem "Musical für Rapper und Rocker" geboten wurde, war eine gekonnte Mischung dessen, was Jugendliche bewegt. Dabei waren nicht nur die Sprayer wichtiger Bestandteil, sondern auch die ganz alltäglichen Probleme von Jugendlichen mit ihren Eltern und Freunden.

Über ein Jahr haben die Schüler des Gymnasiums im Loekamp an diesem Stück gearbeitet. Eine anstrengende Arbeit, wie Gerd Beckmann weiß, der die Spielleitung übernommen hat. "So viele Jugendliche über einen so langen Zeitraum bei der Sache zu halten, ist schon nicht einfach", berichtet er über die lange Probezeit. "Vor allem wenn man mal vier, fünf Stunden am Stück probt und der eigentliche Aufführungstermin noch in weiter Ferne liegt, ist es schwierig, alle motiviert zu halten."

  Über ein Jahr wurde geprobt

Doch die Arbeit hat sich gelohnt. Das 1998 in Hannover uraufgeführte Stück wurde mit Begeisterung vom Publikum angenommen. Und es ist auch gerade das, was man zum 30-jährigen Jubiläum der Oper am GiL haben wollte. "Einen Galabend haben wir bereits zum 25-jährigen gemacht. Diesmal wollten wir lieber den Leuten zeigen, dass die Idee von vor 30 Jahren noch immer lebendig ist", erklärt Gerd Beckmann, warum man "nur" ein Musical zum runden Geburtstag aufgeführt hat.

  Von Stefan Korte     Die Sprayergang ruft zur Attacke

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