Zum Inhalt von Godspell

 

Das Musical Godspell von Stephen Schwartz nach einer Idee von John-Michael Tebelak stammt aus den späten sechziger Jahren. Erzählt werden Episoden aus der letzten Lebenshälfte Jesu´ bis zu seinem Tode. Grundlage ist das Matthäus-Evangelium..

Überlegungen des Regiesseurs

Die szenischen Umsetzung sah vor, dass Blumenkinder, Hippies sich im Park versammeln und in sehr clownesker, mitunter auch alberner Spielform die Geschichte erzählen und sich einige biblische Gleichnisse vorspielen.

Bei den Vorbereitungen zur Inszenierung für die “Oper am GiL” in Marl schien mir dieser Ansatz nicht tragend. Wer in dieser “Spät-Sechziger-Ästhetik” verweilt, verkleinert die Dimension der Passionsgeschichte und ihre aktuellen Bezüge. Jede neue Auseinandersetzung mit einem Theatertext, bzw. Musical, muß ja das Werk auf zeitgemäße Bezüge hin untersuchen.

Bei diesem Vorgang geht es nicht um vordergründige Aktualisierung, sondern vielmehr darum, die damals modischen, vielleicht auch originellen Ideen wegzulassen und so der ursprünglichen Geschichte um das Leben Jesu‘ und seinen zentralen Gedanken wieder gebührenden Raum zu verschaffen.

So kam ich sehr schnell zu der Frage: Was sagen uns die Gleichnisse? Welche Bedeutung haben die Gedanken, die in der Bibel geäußert werden? Warum erzähle ich diese Geschichten mit jungen Schülerinnen und Schülern? Wozu brauchen wir heute Religion? Glauben?

Ein Schlüssel für die Beantwortung dieser Fragen liegt für mich in dem Begriff Hoffnung. Ich denke: Es gibt kein Leben ohne Hoffnung. Ja nicht einmal ein Sterben ohne Hoffnung.

Bei der Probenarbeit ging es nun darum, die Gleichnisse auf die oben aufgeworfenen Fragen hin zu untersuchen und Bilder zu erfinden, die deutlich machen sollen, dass uns Hoffnung auch in den schlimmsten Lebenslagen helfen kann.

Das kann beispielsweise eine Putzfrau sein, die die Wange einer Sterbenden streichelt, oder eine Gruppe von Kriegsflüchtlingen, die ein geschundenes, verzweifeltes Opfer brutaler Gewalt trösten.

Ich wünsche mir, dass es gelingt, grundlegende Glaubensfragen in ihrer Zeitlosigkeit deutlich werden zu lassen und die Zuschauer genau in dem zu ermutigen, was als Grundlage diente: Hoffnung.

Michael Seewald, Essen


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